Erlebbar, nah, digital – Nonverbale Kommunikation im digitalen Kontext

Erlebbar, nah, digital – Nonverbale Kommunikation im digitalen Kontext

Gastbeitrag von Jakob Lipp

Als Experte für nonverbale Kommunikation weiß Jakob Lipp: „Unser Gehirn mag keine Videokonferenzen“. Der Nachteil von Videokonferenzen während der Pandemie zeigt uns von Tag zu Tag so deutlich, dass virtuelle Treffen im Business zu Müdigkeit, Frustration und/oder Irritation führen können. Folgen, die wir meist unterschätzen. Denn Onlinemeetings verursachen große Einschränkungen im Vergleich zu persönlichen Interaktionen.Aber was ist der große Unterschied beim Treffen über Onlineportale (z.B. Teams, Webex oder Zoom) im Vergleich zu den Interaktionen im „echten Leben“?

Seit Jahrhunderten interagieren wir Face-to-Face. Unser Gehirn ist trainiert und bemerkt selbst kleinste Unterschiede zwischen Bild und Stimme sofort. In der Videotelefonie gibt es Übertragungsverzö-gerungen. Das sind oft nur Bruchteile von Sekunden, aber es beeinträchtigt uns sehr. Und genau dies führt zur massiven Beeinträchtigung unserer Wahrnehmung, da die Aufmerksamkeit bei unserem Gegenüber sofort abnimmt.

Nonverbale Signale sind deshalb extrem wichtig!

Da bei Videocalls die nonverbale Kommunikation, beispielsweise in Form der Körpersprache, leider oft im Verborgenen bleibt, müssen wir genau hierauf ein großes Augenmerk legen.
Virtuelle Gespräche sind meist wenig dynamisch. Die Interaktion fehlt, was für viele Teilnehmer:innen auf Dauer frustrierend ist. Für ein zielführendes Business und erfolgsorientierte Teams in Unternehmen ist jedoch der rege Austausch von großer Bedeutung und es ist die Basis guter Arbeit.

Gestik sowie Mimik sind äußerst wichtige Wegweiser in den Gesprächen, die wir führen. Sie erleichtern den Transport der Botschaft und die Entschlüsselung von Nachrichten bzw. Emotionen und helfen uns dabei, eine emotionale Beziehung zu unserem Gegenüber herzustellen.
Das heißt, auch wenn Beruf, Qualifikation und Aussage von Geschäftspartner:innen relevant sind, so ist der Gesamteindruck, der von nonverbaler Kommunikation bestimmt wird, entscheidend. Dadurch wird Vertrauen aufgebaut. Und ohne Vertrauen ist keine Kommunikation möglich. Ohne Vertrauen verliert das Gesagte an Bedeutung.

Fischmaultechnik ebnet den Weg

Ein weiteres Problem, um online von sich überzeugen zu können, ist es, den richtigen Zeitpunkt zum Sprechen abzupassen. Das kennt sicherlich jeder. Es brennt einem etwas auf der Zunge und man möchte eine Frage stellen oder auf eine Aussage des Gesprächpartners/ der Gesprächspartnerin antworten, aber man kommt nicht dazu. Ins Wort fallen möchte man nicht, aber ebenso wenig den geeigneten Zeitpunkt verpassen. Hier schafft die „Fischmaultechnik“ Abhilfe. Also einfach den Mund leicht öffnen, wie ein Fisch, der nach Luft schnappt. So sieht das Gegenüber, dass man das Wort ergreifen möchte und bietet einem im Idealfall den dafür nötigen Raum an.

Ein weiteres Problem, dass Online-Meetings zwangsläufig mit sich führen, ist die Gefahr von Ablenkungen. Gerade in den eigenen vier Wänden können sich diese häufen. Ob das nun die Nachbarschaft ist, die Lärm verbreitet, das eigene Kind, das Unruhe stiftet oder das Smartphone, das verlockt. Verlieren wir unsere Aufmerksamkeit, entgeht das unserem Gegenüber leider selten.
Doch einen Lichtblick gibt es auch hier! Virtuelle Meetings haben oftmals ein kürzeres Zeitfenster, da sich mehr aufs Wesentliche konzentriert wird und Abschweifungen nach Möglichkeit vermieden werden. Warum? Weil es nicht nur uns selbst schwer fällt, den Fokus innerhalb eines Videocalls zu halten. So geht es auch den anderen Teilnehmer:innen. Deshalb ist es umso wichtiger, die räumliche Distanz bestmöglich auszugleichen und die Gespräche aktiv und lebendig zu halten. Dies gelingt mitunter durch Mimik und Gestik.
Denn Fakt ist: Die Wirkung einer Botschaft wird nur zu ungefähr zehn Prozent durch den sprachlichen Inhalt bestimmt, zu fast 40 Prozent durch den akustischen Ausdruck und zu über 50 Prozent durch die Körpersprache.
Nicht umsonst ist der überspitze Einsatz von Gestik und Mimik eine gebräuchliche Methode im Fernsehen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer:innen zu erlangen. Fehl platziert oder unnatürlich wirkt die Kommunikation deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil.

Aber da wir alle nur Menschen sind, bleibt es trotz alledem manchmal einfach nicht aus, dass die Konzentration schwindet. Deshalb sollte man auch in virtuellen Meetings unbedingt Pausen einbauen, um etwas Energie zu tanken und die Reserven wieder aufzufüllen.

Hier weitere 7 wichtige Tipps, um in der nonverbalen Kommunikation zu punkten:

Jakob Lipp´s Tipp 1
In der Mitte spielt die Musik!
Man sollte sich möglichst mittig im Bildschirm platzieren. Ist man lediglich am Bildschirmrand zu sehen, ist der Handlungsspielraum für Gestik deutlich kleiner. Zudem sinkt die Gefahr der Ablenkung für die anderen Gesprächsteilnehmer:innen, denn natürlich sind diese neugierig auf ihr häusliches Umfeld. Umso mehr davon zu sehen ist, umso weniger Aufmerksamkeit wird dem Gegenüber gewidmet.

Jakob Lipp´s Tipp 2
Gerade Körperhaltung!
Wie auch bei einem Meeting in persona sollte man auf eine aufrechte Sitzposition achten. Der Blick ist dabei offen und nach vorn gerichtet. Das strahlt nicht nur Selbstbewusstsein und Stärke aus, sondern beugt auch Müdigkeit vor. Gegen schlechte Körperhaltung hilft es, sich eine Schnur vorzustellen, die den ganzen Körper nach oben zur Decke zieht.

Jakob Lipp´s Tipp 3
Gestik, Gestik und noch Mal Gestik!
Weil es nicht oft genug gesagt werden kann: Aktiv mit den Händen zu arbeiten, ist das A&O für ein erfolgreiches Gespräch. Wichtige Botschaften lassen sich mit gekonnter Gestik wirklich verstärken. Sie hinterlässt einen lebendigen Eindruck, trotz digitaler Einschränkungen, und strahlt Selbstbewusstsein aus.

Jakob Lipp´s Tipp 4
Bleib im Bild!
So wichtig Gestikulation und Bewegung sind, kann auch das zu Ablenkungen führen, wenn man dabei außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts gerät. Also sollte man stets darauf achten, im Blickfeld der Teilnehmer:innen zu bleiben.

Jakob Lipp´s Tipp 5
Zuhören!
Ganz wichtig: aktives Zuhören ist essentiell für jedes Meeting. Das hört sich simpel an, ist bei Onlinekonferenzen aber oft richtig schwierig. Aktives Zuhören heißt nämlich auch, Signale zu geben, zum Beispiel mit dem Kopf ein wenig nicken, ein Lächeln zwischendurch und Augenkontakt. Also alles, was dem Gegenüber zu verstehen gibt, dass man aufmerksam zuhört.

Jakob Lipp´s Tipp 6
Mund auf!
Mit ausreichend weit geöffnetem Mund zu sprechen, ist äußerst wichtig, um klar und deutlich zu kommunizieren. Sollte die Tonqualität doch mal Probleme machen, können Mimik und Gestik schnell Abhilfe schaffen.

Jakob Lipp´s Tipp 7
Smiley an die Kamera!
Eine positive Grundstimmung trägt jedes Gespräch. Man sollte Freude ausstrahlen und die Mundwickel lockern. Es kann hilfreich sein, sich einen Smiley neben die Kamera zu kleben. Auf diese Weise erinnert man sich nicht nur daran, zu lächeln, sondern auch daran, sein Gegenüber durch die Kamera anzuschauen, anstatt sich in dem eigenen Bildausschnitt zu verlieren.
Im Übrigen kann man sich ein Lächeln auch antrainieren. Dafür einfach einen Stift zwischen die Zähne und schon gehen die Mundwinkel auseinander.

Wenn man diese Tipps beachtet, stellt man schnell fest, dass auch Onlinemeetings Spaß machen können und zielführende Gespräche durchaus auch auf digitalem Wege möglich sind. Hat man das erstmal verinnerlicht, sieht man auch schnell die Vorteile, die digitale Meetings mit sich bringen können, wie z.B. die Überbrückung von Distanzen, Kostensenkungen und nicht unerhebliche Zeitersparnisse.

Über den Autor:
Jakob Lipp ist Experte für nonverbale Kommunikation und Bestsellerautor.
Er studierte Marketingkommunikation und war danach über 20 Jahre als Mentalist auf den großen Bühnen Europas. Er zeigte dem Publikum, wie beeinflussbar es ist, da unterbewusst ablaufende Denk- und Handlungsmuster durchschaubar sind.
Durchschaubar jedenfalls für ihn!
Aktuell ist Jakob Lipp als Gastredner mit seinem Vortrags- und Coachingsprogramm regelmäßiger Gast bei Tagungen, Kongressen und Meetings führender Unternehmen. Sein Buch „Kommunikative Kompetenz: 36 Mentalistenkniffe für Führungskräfte“ ist ein erfolgreicher Ratgeber für Leadership-Management und Human Resources.
Weitere Infos unter: www.jakoblipp.com

Kontaktadresse:
Jakob Lipp
Experte für nonverbale Kommunikation
Keynote Speaker, Gastredner und Buchautor
Brandmeier 3
83562 Rechtmehring
office@jakoblipp.com
www.jakoblipp.com

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